Chris’ Traum
Hallo, mein Name ist Chris. Ich bin 11 Jahre alt. Heute ist Sonntag und natürlich geht meine Familie und ich in die Kirche – wie eben jeden Sonntag. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie langweilig der Gottesdienst von unserem Pfarrer, Herrn Duschinski, gestaltet wird.
Eigentlich bin ich sehr gläubig, meistens bete ich abends auch zu Gott. Bitte keinem weiter verraten, denn dies machen nämlich 11-Jährige nicht mehr, oder? Wie erwartet, war der Gottesdienst wieder einmal sehr öde. Du fragst warum? Unser Pfarrer steht vor dem Altar und trägt ohne Liebe und ohne große Gestik die Wunder Jesu vor. Nicht, dass mich das nicht interessieren würde, aber die monotone Stimme ist zum Einschlafen. Ich erinnere mich gerade noch an ein altmodisches Lied mit lateinischer Sprache, welches die Gemeinde singt. Dann fallen mir meine Augen zu, ich schlafe ein. Das war wieder zu erwarten, denn warum soll ich ein Lied singen, deren Sprache und Inhalt ich nicht kenne. Und außerdem ist schon ganz schön lange unsere Orgel kaputt. Unser Pfarrer und unser Pfarrgemeinderat kümmern sich nicht um die Reparatur.
Plötzlich schrecke ich hoch. Was, ich bin tatsächlich eingeschlafen! Oh, nein! Aber zum Glück nur eine Minute, denn die Omis und Opis singen ja immer noch das Lied.
Aber halt! Das sind ja keine Omis und Opis, sondern alle Kinder und Jugendliche von unserer Gemeinde. Auch umrahmt ein Keyboard mit modernem Rhythmus, das in Deutsch verfasste Lied. Sofort bin ich hellwach und singe frohen Mutes mit. Schade, das Lied hat nur 4 Strophen und ist bald zu Ende. Na ja, jetzt wird es bestimmt gleich wieder langweilig.
Aber nein, was ist denn da passiert? Eine Pfarrerin steht ja am Altar und spricht zu uns folgende Worte: „Heute möchte ich mich mit euch allen über Gerechtigkeit sprechen“. Eine Frage an unsere Kinder und Jugendlichen: “Was hat Euch das Christkind gebracht?“ Als Antwort kam: „Eine CD, ein neues Fahrrad, ein Computer und so vieles mehr.“ Die Pfarrerin stellt fest, dass es uns hier in Deutschland sehr gut geht. „Aber in einigen Ländern haben Kinder manchmal nichts zu Essen. Sie müssen hungern, leben auf Müllhalden und müssen sich ohne Eltern durchs Leben schlagen.“ Ihre Stimme klingt so ergreifend mit sehr viel Mitgefühl. Man muss ihr einfach zuhören und während der 15-Minuten-Diskussion wurde mir gar nicht langweilig. Danach liest sie über Jesu vor, wie er Kindern geholfen hat und spielt den Text mit ihren Worten und Augen nach. Was Jesu für ein guter Mensch doch war!
Während der Lesung schaue ich mich um. Die Kirche sieht ganz anders aus. Der Grundriss stellt ein Kreuz dar. Die Wände spiegeln leuchtende Farbe und links neben dem Altar hängen an einer Pinnwand selbstgemalte Bilder. Kindergartenkinder haben Jesus, den Erlöser, nach ihren Vorstellungen dargestellt.
Einen kleinen Moment, auf der anderen Seite des Altars steht eine große grüne Holzkiste mit der Aufschrift „Kummerkasten“. Die habe ich noch nie gesehen, aber ich finde, dass ist eine gute Idee.
Die ganze Kirche wird von einer Vielzahl von Kerzen ausgeleuchtet, welche richtig viel Stimmung ergeben. Blumengirlanden hängen von der Decke, die sehen vielleicht schön aus.
Aber nun wieder zum Gottesdienst. Auf einmal gehen ein paar kleine Kinder vor zum Altar und helfen den Messdienern bei den Vorbereitungen der Kommunion.
Ihre Köpfe glühen vor Freude, weil sie auch etwas machen dürfen. Die Pfarrerin segnet sie dafür. Dann erhält die Gemeinde die Kommunion, wobei dies von unserer Jugendgruppe musikalisch begleitet wird.
Später singen wir alle zusammen ein Abschlusslied und die Pfarrerin lädt alle Kinder und Jugendliche zum Jugendtreff ein. Dort gibt es viele Spiele und auch eine Skater-Bahn. Sie ist mit vielen Psalmen versehen und wurde vor kurzem von der Kirchengemeinde gestiftet. Nun ist die Messe vorbei. Schade, ich wäre gerne noch ein bisschen geblieben.
Auf einmal kommt die Pfarrerin auf mich zu und legt mir ihren Arm um die Schulter und sagt: „Chris“. Sie schüttelt mich sogar und ruft: „Chris, Chris mach die Augen auf!“ Aber die habe ich doch auf, denke ich mir. Da verändert sich das Gesicht der Pfarrerin und wird zu dem meiner Mutter. „Na endlich bist du aufgewacht. Die Messe ist vorbei und wir wollen nach Hause gehen.“ Ich sehe mich ganz verdutzt um, es sieht alles wie vorher aus. Schade, es war nur ein Traum. Aber vielleicht wird aus dem Traum doch Wirklichkeit, denn so stelle ich mir in etwa meine Traumkirche vor.
Ich habe eine Idee. Vielleicht können wir Schüler im nächsten Religionsunterricht über Möglichkeiten diskutieren, wie sich Jugendliche und Kinder mehr an der Gestaltung des Gottesdienstes und –hauses beteiligen können? Das ist bestimmt sehr interessant!
Stefanie Rehberg, Klasse 7

Februar 9th, 2006 17:20
Gut gemacht. Deine Geschichte ist richtig gut geungen. Tolle Idee deine Vorstelungen in eine Geschichte zu verpacken. Die ist nämlich richtig gut.